Blues Tanzen

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Blues ist auch ein Tanz?

Das englische Adjektiv “blue” bezeichnet einen melancholisch traurigen Gemütszustand und war damit Schlagwort zur Namensgebung des Musikgenres Blues. In den 50ern prägten Musiker wie Muddy Waters, B.B.King oder John Lee Hooker mit elektrischen Instrumenten den Sound des Blues, wie man ihn heute kennt. Doch als Bestandteil afroamerikanischer Musikkultur entstand Blues schon Ende des 19. Jh. und war Grundlage vieler weiterer Musikstile.

Blues war kein Tanz der Ballsäle. Er entwickelte sich im Untergrund in der afroamerikanischen Gemeinschaft. Sogenannte Speakeasys oder Jook Joints entstanden in Hinterhöfen, Werkstätten, Scheunen und illegalen Kneipen. Getanzt wurde häufig zu Livemusik – alleine oder zusammen. Beim Blues entwickelte sich der Paartanz aus dem Solotanz heraus und die damit verbundene Freiheit beider Partner ist bis heute das hervorstechendste Merkmal im Blues.

Vintage jail dancing
Photo by Foxtongue

 

Charakteristisch für diesen Tanz ist die starke Ausdruckskraft der Bewegungen. Sie können sehr weich und körperbetont sein, aber auch trotzig und hart – je nachdem was die Musik und der Tänzer widerspiegelt. Entgegen der häufig vorherrschenden Meinung ist Blues kein ausschließlich langsamer und hüftbetonter Tanz – auch schneller Bluesrock ist wunderbar tanzbar.

Die Herausforderung und der Reiz bestehen darin, die Stimmung des Liedes tänzerisch zu interpretieren und als Paar gemeinsam zu erleben. Die Struktur der Figuren ist kaum reglementiert. Nahezu jeder erdenkliche Schritt und jede Figur, ob in geschlossener oder offener Tanzhaltung, kann variiert und kombiniert werden. Dies umzusetzen erfordert ein solides Musikverständnis, eine intensive Verbindung zum Tanzpartner und stellt hohe Ansprüche an das Führen und Folgen. Doch gerade die große Freiheit und die gleichberechtigte Partnerschaft beider Tänzer schafft die Möglichkeit, diese grundlegenden Fertigkeiten spielerisch zu erlernen und in allen anderen Tänzen einzubringen.

Viele Elemente des Blues flossen in die Swingtänze der 20er und 30er Jahre ein. Nach deren Revival in den letzten Jahrzehnten kommt nun auch der Bluestanz wieder auf das Parkett und trifft vor allem in der Lindy Hop Szene auf wachsendes Interesse. Viele ausgelassene Swingabende werden inzwischen mit Late Night Blues ausgeklungen, doch auch reine Bluesabende und Workshops erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Bluestanzen bezeichnet heute eine Gruppe von Tanzstilen, die eine starke Betonung auf Partnerverbindung, Improvisation und natürliche Bewegungsabläufe legen. Es ist für Anfänger einfach zu erlernen, bietet aber auch erfahrenen Tänzern größere Ausdrucksmöglichkeiten als viele andere Gesellschaftstänze. Zudem existiert in den meisten Bluestanz-Communities keine Erwartung dass Männer führen und Frauen folgen, und viele Tänzer haben beide Rollen zu einem gewissen Grad ausprobiert.

Danke an SwingConnection Leipzig für diesen Text.

Wie sieht Bluestanzen aus?

Hier gibt es einen kurzen Film über eine Bluesparty in der Kulturbrauerei:

Oder schaut euch mal die Berlin Blues Explosion an (unser großes jährliches Bluestanz-Festival):

Oder hört mal in diese Radioreportage über Bluestanzen an der amerikanischen Westküste rein (auf Englisch):

Button player playNPR (National Public Radio):
The healing power of Blues Dancing


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